
Ein Beitrag von: Halli
Ne, wat is dat spannend mit den Bundestagswahlen am kommenden Sonntag, ich mach´ mir echt jeden Tag beinahe ins Höschen vor Aufregung! Ich fand´ auch den Wahlkampf gar nicht so langweilig wie von vielen behauptet, erst vorgestern zum Beispiel saß ich fasziniert vor der Glotze, als Frank Plasberg, der einzige einigermaßen helle Stern am Polittalker-Firmament, die Generalsekretäre bzw. Geschäftsführer der im Bundestag vertretenen Parteien zur „Generalabrechnung“ geladen hatte.
Da flogen die Giftpfeile und kleinen Spitzen nur so durch das Studio, und nach der inzwischen x-ten Wahl-Talkshow konnte ich schon ganz gut beurteilen, ob die Parteivertreter ihre Schlüsselargumente zu den Themen Steuersenkung, Mindestlohn, Hartz IV und Atomausstieg schnell parat hatten und sich damit gut in Szene setzen konnten.
Weil unser Plüschgeflüster aber nun einmal ein schwul-lesbischer Blog ist, habe ich mir heute Morgen nach dem Aufwachen im Bett überlegt, ob es nicht möglich wäre, den im Bundestag sitzenden Parteien nach inhaltlichen Kriterien Organisationen aus der Kölner Szene zuzuordnen.
Und da ich nicht genug Zeit hatte, um vielleicht zu dem Ergebnis zu kommen, dass dieser Plan eine richtige Schnapsidee ist, präsentiere ich euch jetzt voller Stolz meinen Versuch, die Farbenlehre des politischen Berlins auf die bunte Vielfalt der Kölner Community herunterzubrechen (in absteigender Reihenfolge nach der Anzahl der Mandate im Deutschen Bundestag):
CDU = SC Janus e.V. :
So ähnlich, wie die CDU inzwischen fast schon die einzig verbliebene Volkspartei in Deutschland ist, ist der SC Janus mit Abstand der größte schwul-lesbische Verein in Köln. Weit mehr als 1.000 Mitglieder tummeln sich unter seinem Dach. Die Größe ist aber nicht das einzig verbindende Element zwischen dem Sport-Club und der CDU. Denn genauso wenig, wie die CDU-Mitglieder nach vier Jahren Kanzlerschaft von Angela Merkel wissen, wofür ihre Partei eigentlich (noch) steht, haben die Janus-Mitglieder bis heute irgendeine Ahnung, ob es in ihrem Verein nur um gemeinschaftliche ausgeführte Körperertüchtigung, oder vielleicht zusätzlich noch um einen (gesellschafts-)politischen Anspruch geht. Nur gut, dass der Janus-Vorsitzende Michael Lohaus dem Vernehmen nach tatsächlich der CDU sehr nahe steht. Da kann er sich ja bei der großen Vorsitzenden abgucken, wie man einen ziemlich großen Laden nahezu geräuschlos schmeißen kann.
SPD = AIDS-Hilfe Köln e.V.:
Dieser Vergleich ist einigermaßen pikant, weil böse Zungen schon lange behaupten, dass die SPD-Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes nur deshalb bereits eine Ewigkeit im Vorstand des Vereins sitzt, um damit ihre Dauerpräsenz in der schwul-lesbischen Welt rechtfertigen zu können, die nach ihrer Trennung von Ex-Regierungspräsident Franz-Josef Antwerpes so etwas wie ihre neue Familie geworden sein soll. Aber natürlich gibt es auch inhaltliche Ähnlichkeiten. Denn beiden Organisationen ist seit einiger Zeit ihr großes Thema abhanden gekommen. Die SPD lässt sich ihre so identitätsstiftende „soziale Gerechtigkeit“ inzwischen von der EX-SED-EX-PDS-JETZT-LINKE fremddefinieren und scheut sich im übrigen davor, das Erbe ihres Reformkanzlers Gerhard Schröder selbstbewusst zu bewahren und fortzuführen. Und die AIDS-Hilfe hat nicht nur mit lästigen kleinen Co-Anbietern in ihrem ureigenen Tätigkeitsfeld zu kämpfen, sondern hat nach 25 Jahren auch große Mühe, die Themen HIV-Prävention und Solidarität mit an Aids Erkrankten im gesellschaftlichen Diskurs wachzuhalten. Alte Tante SPD und bedrängter Onkel AIDS-Hilfe Köln. Ein tragisches Gespann mit großer Geschichte!
FDP = Regionalgruppe Köln Völklinger Kreis / Regionalgruppe NRW Wirtschaftsweiber:
Ich gebe zu, dass dieser Vergleich so naheliegend ist, dass man ihn schon aus Prinzip hinterfragen muss. Denn warum bitte schön sollten Unternehmer und Führungskräfte heutzutage noch FDP wählen, wenn Guido Westerwelle inzwischen schon in fast jeder Talk-Show partielle Zustimmung zu Lafontaineschen Statements äußert und zur Verdeckung des anachronistisch anmutenden Hauptthemas Steuersenkung immer häufiger die Forderung nach einer Verdreifachung des Hartz IV-Schonvermögens vor sich hergetragen wird? Ja, warum nur? Vermutlich deshalb, weil die anderen Parteien noch weniger für diejenigen Menschen übrig haben, die zwar meist ganz anständig verdienen, dafür aber auch einen Großteil der Steuern aufbringen, die der Staat dann mehr oder weniger gerecht verteilen kann. Leistungsträger darf man die ja nicht mehr nennen, denn das sind ja inzwischen diejenigen, die mit möglichst wenig persönlichem Einsatz möglichst viele soziale Transferleistungen zu akquirieren in der Lage sind.
Bündnis 90 / Die Grünen = LSVD Ortsverband Köln
Das muss ich ja wohl kaum noch begründen, oder? Jahrelang war der LSVD auf allen Ebenen von grünen Parteigängern dominiert, prominenteste Vertreter dieser Hegemonie sind bzw. waren der grüne Bundestagsabgeordnete Volker Beck und sein inzwischen leider verstorbener Mann Jacques Teyssier. Das mit der grünen Übermacht beim LSVD ist jetzt auch gar nicht böse gemeint. Die Partei und der Verband ergänzten sich lange Zeit kongenial beim Kampf um die Gleichberechtigung von Schwulen und Lesben. Aber es gibt immer noch auch schöne aktuelle Gemeinsamkeiten. Denn sowohl die Grünen, als auch der LSVD sind sich nicht zu schade, beim Thema Menschenrechte immer sehr genau hinzuschauen und das dann auch entsprechend emotional rüberzubringen. Die Grünen haben dafür die zuverlässige Tränendrüse Claudia Roth im PR-Arsenal, der LSVD besitzt mit dem Geschäftsführer Klaus Jetz immerhin noch jemanden, der sich stets anhört, als wenn er gleich losheulen müsste. Leider bleibt er jedoch im Gegensatz zu Roth nicht immer in der mitleiderzeugenden Betroffenheitsspur, sondern endet gelegentlich im Sauertöpfischen.
Die Linke = Sozialwerk für Lesben und Schwule e.V.
Aus meiner Sicht ist das der bösartigste Vergleich. Denn wer möchte schon mit dem einzig amtlichen Paria der bundesparlamentarischen Parteiendemokratie in einen Topf geworfen werden? Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass die Damen und Herren vom Rubicon ebenso wenig wie die Jungs und Mädels vom anyway etwas dagegen haben werden, die sozialpopulistischen und außenpolitisch unzuverlässigen Ex-Kommunisten mit offenen Armen aufzunehmen und Stück für Stück in ihr der Realität entzogenes Soziotop zu assimilieren. Und wer weiß, vielleicht gibt es ja sogar noch die Möglichkeit, sich von irgendeiner staatlichen Stelle die Einrichtung einer professionell begleiteten Selbsthilfegruppe für lesbische oder schwule Linke mit Totalitarismushintergrund und pränatalen sexuellen Gewalterfahrungen fördern zu lassen. Gibt es auch inhaltliche Gemeinsamkeiten? Ja, ganz bestimmt. Ich glaube, dass auch das Sozialwerk den sofortigen Rückzug der deutschen Truppen aus Afghanistan befürwortet. Schließlich nützen einem traumatisierte Soldaten im Ausland ja nix. Zumindest solange, bis es nicht eine Rubicon-Außenstelle in Kunduz gibt. Mal mit den neuen Freunden von der Linken drüber sprechen. So als Übergang. Warum nicht. Macht doch Sinn.
CSU = KLuST e.V.
Hier reicht ein Begriff, um die Gemeinsamkeit sinnfällig zu machen: gesinnungsloser Populismus! Genauso wenig, wie die bayerische Schwesterpartei der CDU (die als Regionalparei tatsächlich die kleinste Abgeordnetengruppe im Deutschen Bundestag stellt) sich mit ihrem Vorsitzenden und anderen Spitzenkräften einen Dreck darum kümmert, was sie gestern noch in die Mikrofone geblasen und in Bierzelten verzapft hat, hat der KLuST offenbar irgendeine Ahnung davon, wo er mit seinem CSD hin will und von welchen Prinzipien diese angeblich politische Spaßveranstaltung getragen ist. Was der CSU recht ist, nämlich das Drehen des Fähnchens je nach Stimmungslage in der Bevölkerung, ist dem KLuST schon lange billig. Anders ist dieses Charta-Gemurkse, das viele bestimmt schon vergessen haben (ich liebe unser Archiv!), wohl nicht zu erklären, das den KLuST mal als Scharfmacher, mal als Getriebenen, und schließlich als zahnlosen Tiger im Westentaschenformat dastehen ließ. Etwas anderes verbindet die beiden Organisationen ebenfalls noch: sowohl bei der CSU, als auch beim KLuST spielt die bierselige Gemütlichkeit eine nicht zu unterschätzende Rolle. Wer einmal im Backstage-Bereich des CSD war, wird erlebt haben, wie leicht es einem dort gemacht wird, den ein oder anderen Ärger über die Veranstaltung im Frei-Kölsch zu ertränken. O´zapft is!
Noch Fragen, Galli?

Nein, Halli, dieses Mal habe ich sogar drei Fragen:
1. Was zum Teufel bedeutet "putativ"?
2. Seit wann schreibst du dir so die Finger fusselig? Das war doch immer mein Part!
3. Wenn du weiter so machst schlage ich dich als Amtsnachfolgerin von Maria Rohlinger in der Rosa Liste vor! Möchtest du das wirklich?