• Mauerfall

    Galli
    Ein Beitrag von: Galli

    Heute ist es also 20 Jahre her, dass unsere lange vergessenen und modisch schlecht beratenen Brüder und Schwestern im Osten mit der Macht des Volkes die Freiheit erstritten – die Freiheit in die Dominikanische Republik zu fliegen oder bei Aldi einkaufen zu gehen. Beides Dinge, die sich ein Durchschnittsossi heute leider nicht mehr leisten kann.

    Von Flensburg bis Schwabing ist man stolz wie Oskar, dass ein von Leidensdruck getriebenes Völkchen den Versprecher eines knapp am Down-Syndrom vorbeigeschrammten Regierungssprechers nutzte, um mit unglaublich innovativen Parolen („Wir sind das Volk!“ wow, was für ein Slogan) ein Land zu erstürmen, das auf Rotkäppchensekt so sehr gewartet hatte, wie die Eintagsfliege auf den nächsten Morgen.

    Und während wir so feiern reiben sich ehemalige Stasi-Bonzen die Hände, wieder an Landesregierungen beteiligt zu werden, holt sich die halbe Republik einen auf die Herkunft unserer Bundes-Angie runter und fragt man sich angesichts diverser CSU-Politiker, ob man die Mauer nicht doch wieder aufbauen sollte – entlang der bayerischen Grenze.

    Die ganze Welt, allen voran die Proletarier aller Länder, schauen nun also auf Berlin, während Köln im Schatten der Geschichte darniederliegt. Erst in zwei Tagen, wenn unzählige Alkoholleichen den Heumarkt mit Kleiner Feigling und Kotze fluten, wirft die Tagesschau endlich wieder den Blick auf das schweinelustige Rheinland. Wir dürfen den Zonis noch heute auf Knien danken, dass sie die Mauer nicht am 11.11. gestürmt haben, sonst würde es dieses terminliche Hochgefühl kultureller Errungenschaften gar nicht mehr ins Bewusstsein der breiten Öffentlichkeit schaffen. Das würde zwar keinen stören, aber der Kölner hätte noch einen Grund weniger, sich auf seine beknackte Provinzialität was einzubilden.

    Dabei könnte man dieses historische Ereignis doch auch wunderbar in unserer Domstadt zelebrieren, indem man zur Feier des Tages auch gleich mehrere Mauern einreißt. Ich meine, wenn das faule Pack von drüber mal den Hammer in die Hand genommen hat, können wir das doch auch!

    Da wären beispielsweise die scheinbar unüberwindlichen Mauern zwischen Alt- und Neustadt, zwischen Normalos, Tunten und Fetischkerlen, zwischen reichen D&G-Victims und (sozial) verarmten Opfern aus den diversen Selbsthilfegruppen, zwischen den Alten im My Lord und den Jungen in der Mumu, zwischen Schwulen und Lesben an sich, zwischen Bären und Nacktmullen, zwischen den frisch getrennten Schwestern der perpetuellen Indulgenz, zwischen dem Kulturschock und guter Unterhaltung, zwischen allen noch lebenden Partyveranstaltern, zwischen der StattGarde und den Rosa Funken, zwischen den AIDS-Hilfen verschiedener Zuständigkeitsbereiche, zwischen gläubigen und atheistischen Homos, zwischen Unisex und Coiffeuer Claus, zwischen Kommerz-CSD-lern, Polit-Schwuppen und Queergestellten, zwischen Spießern und Revoluzzern, zwischen rik, BOX und blu, zwischen den Gay Games und dem lieben Geld, zwischen der ARCUS-Stiftung und ihrem eigenen Beirat, zwischen Phoenix und Babylon, zwischen Aachener Weiher und Cranachwäldchen, zwischen Corner und IX-Bar (ist eh eine Soße) und so weiter und so fort. Meiner bescheidenen Meinung nach dürfte man sogar alle vier Mauern des Schampanja schleifen, damit man sich darin endlich mal umdrehen kann.

    Das wäre eine Räumungsaktion nach meinem Geschmack und mit dem anfallenden Gerümpel könnte man ganze Generationen von Trümmertunten beschäftigen.

    Aber da ich schon wieder die ersten Beschwerdemails auf mich zukommen sehe, weil ich einen so großen Gedenktag wie den 9. November durch den Kakao ziehe, will ich hier schnell noch einmal die Beruhigungsbremse ziehen: Natürlich freue auch ich mich über das seit 20 Jahren wiedervereinigte Deutschland – nicht zuletzt, weil die Ossis einfach besser im Bett sind.

    Worum es aber nach wie vor geht ist doch nicht, Bauwerke zum Fall zu bringen, sondern die berühmten Mauern in unseren Köpfen. Und dazu muss man eben nicht nach Berlin fahren oder krampfhaft nach Gegensätzen zwischen Ost und West suchen, dazu hat man auch in unserem heimeligen kleinen Köln Möglichkeiten genug.

    Noch Fragen, Halli?

    Halli
    Ja, Galli: Dein Beitrag bringt uns aber nicht dazu, uns heute Abend als Mauerspechte zu betätigen, sondern weiterhin in unserer traditionellen Form als Schluckspechte, oder?

  • (Regen)Bogendegeneration

    Halli
    Ein Beitrag von: Halli

    Da meine beste Freundin Galli derzeit nicht in der Verfassung ist, einen Beitrag zu schreiben (die Gründe dafür möchte ich hier nicht thematisieren, vielleicht wird sie selbst dies später einmal tun), werde ich euch nun entgegen unserer sonstigen Übung zum zweiten Mal hintereinander mit Neuigkeiten aus der stets gut unter Dampf stehenden schwul-lesbischen Gerüchteküche versorgen.

    Wie bereits in meinem letzten Beitrag angekündigt, geht es mal wieder um die ARCUS-Stiftungsinitiative, diese schrille (Un)Bekannte mit einer magischen Anziehung auf alle (un)möglichen Aktivisten aus der (Un)Tiefe des rosaroten Kölner Universums.

    Zuletzt hat Galli ja Ende August in ihrer gewohnt pointierten Art und Weise etwas zu diesem Thema geschrieben, damals angestoßen durch einen Informanten, der von unschönen Verwicklungen und auffälligen Personalentscheidungen bei der ARCUS-Stiftungsinitiative berichtet hatte.

    Diesmal sprach mich selbst vor ein paar Tagen ein in der Szene dieser Stadt nicht ganz unbekannter Bekannter an und erzählte mir von der Einladung zu einem „Stiftertreffen“ am 13. November in den Räumen des Schwulen Netzwerks NRW. Dort soll es Gelegenheit geben, andere „Stifter“ kennenzulernen, zugleich stehen aber wohl auch schon konkrete Entscheidungen an, um die ARCUS-Stiftung nun auch endlich gründen zu können.

    Überrascht zeigte sich mein Bekannter davon, dass als Einlader zu diesem Treffen nur das Schwule Netzwerk NRW und sein lesbisches Pendant, die Landesarbeitsgemeinschaft Lesben in NRW, auftreten. Denn ihm sei immer erzählt worden, die ARCUS-Stiftungsinitiative sei umfassender angelegt und bemühe sich um eine eigenständige und unabhängige Rolle im Konzert der lesbisch-schwulen Selbsthilfe. Auch dies sei ein Grund für ihn gewesen, einen Beitrag zur Stiftungsgründung zu leisten.

    Ich hatte da für ihn auch nicht gleich eine Antwort parat, aber als rechercheerprobte Investigationstranse habe ich zu Hause natürlich sofort meinen Rechner angeworfen und stieß auf der ARCUS-Homepage gleich auf einen Hinweis, der zu der Irritation meines Bekannten passte. Denn in der Tat steht dort geschrieben: „Die ARCUS-Stiftungsinitiative wird getragen vom Förderverein Schwule und Lesbische Selbsthilfe NRW e.V. in enger Kooperation mit dem Schwulen Netzwerk NRW e.V. und der LAG Lesben in NRW e.V.“

    Nach einem Anruf bei meinem „Anstifter“ (ja, ich weiß, müder Wortwitz!) war dann schnell klar, dass dieser Förderverein in der Einladung zu dem „Stiftertreffen“ keine Rolle spielt, auch die unterzeichnenden Personen finden sich nicht unter den Protagonisten dieses angeblichen Trägers der Stiftungsinitiative.

    Als ich dann noch sah, dass auf der ARCUS-Homepage immer noch (oder schon wieder?) Rolf Emmerich als Vorsitzender der Stiftungsinitiative verzeichnet ist, entschloss ich mich im Interesse des Weltfriedens, nochmal zum Telefon zu greifen und eine Person zu diesem Thema zu fragen, die als ARCUS-Beiratsmitglied vielleicht mehr wissen konnte.

    Was ich dann erfuhr, hat mich jedoch auch nicht wirklich beruhigen können, im Gegenteil ist in mir sofort der ganz starke Wunsch entstanden, niemals nachgefragt zu haben, weil ich dann zumindest noch eine Chance gehabt hätte, meinen Glauben an das Gute in der schwul-lesbischen Welt weiterhin behalten zu können.

    Ich sage mal so: wenn es stimmt, was mir dieses in der Regel durchaus verlässliche Beiratsmitglied erzählt hat, ist die ARCUS-Stiftungsinitiative inzwischen ein total zerstrittener Haufen machtversessener Funktionäre, die es tatsächlich geschafft haben, eine durchaus gute Idee innerhalb von gut drei Jahren zu einem bloßen Mittel der Beschaffung staatlicher Gelder zu degenerieren.

    Es sei daher auch kein Zufall, dass jetzt das Schwule Netzwerk und die LAG Lesben wieder die alleinigen Hauptrollen spielen würden, in dem eigentlich bestimmenden Selbsthilfe-Förderverein und dem Beirat seien unbedarfte Ehrenamtler zwischen den unterschiedlichen Machtinteressen aufgerieben worden.

    Na danke, habe ich nach diesem Gespräch nur gedacht, da soll sich niemand mehr beschweren, dass sich immer weniger Menschen ehrenamtlich einbringen!

    Das führt mich zum Schluss zurück zu einem Anlagetipp, den ich hellsichtige Finanzmagierin bereits im Dezember 2008 zum Besten gegeben habe, als die ARCUS-Stiftungsinitiative zum ersten Male Thema im Plüschgeflüster war: damals warb ich um Verständnis dafür, „dass ich auch in Zukunft mein Geld lieber als Spende in Projekte stecke, bei denen ich sicher bin, dass die Kohle auch direkt einen Nutzen bringt“.

    Noch Fragen, Galli?

    Galli
    Ja, Halli: Du versäufst drei Hartz-IV-Regelsätze monatlich in Prosecco, verpulverst mehr Geld für unnötigen Krempel als Lehman Brothers und Hypo Real Estate zusammen und hälst dich selbst allen Ernstes für eine Finanzmagierin? Vielleicht solltest du dann mal Herrn Schäuble zur Hand gehen, wenn du verstehst was ich meine!

  • QUEEN NOT AMUSED!

    Halli
    Ein Beitrag von: Halli

    Elisabeth II., von Gottes Gnaden Königin des Vereinigten Königreiches von Großbritannien und Nordirland und ihrer anderen Länder und Gebiete, Oberhaupt des Commonwealth, Verteidigerin des Glaubens, wäre vermutlich angewidert gewesen, wenn es sie interessiert gehabt hätte, dass Stephen Gately, der ihr Untertan gewesen sein könnte, wenn Irland nicht am 18. April 1949 nach über drei Jahrhunderten britischer Herrschaft aus dem Commonwealth ausgeschieden wäre, am 10. Oktober dieses Jahres nach einer durchzechten Nacht in den Clubs von Mallorca auf dem Sofa seiner Wohnung an seiner eigenen Kotze erstickt ist, während sein Lebenspartner sich nebenan mit einem osteuropäischen Typen vergnügt hat.

    Na, liebe „FLASH“-Macher, wäre das nicht eine fette Überschrift mit passender Einleitung für eure zweite Ausgabe gewesen, in deren Lesegenuss ich während meines gestrigen Haupttoilettenganges kommen durfte?

    Da stinkt ihr mit der schlappen „OBAMA JUBELT“-Schlagzeile zur Vergabe der Gay Games 2014 nach Cleveland doch ziemlich ab, zumal der amerikanische Präsident auch bei einem Zuschlag für die beiden anderen Bewerberstädte hätte jubeln können (falls ihm die kleine Fußnote in der Rubrik „Buntes und Vermischtes“ in seinem morgendlichen Nachrichten-Bulletin aufgefallen wäre!), weil Boston und Washington D.C. sich meines Wissens ebenfalls auf dem Staatsgebiet der Vereinigten Staaten von Amerika befinden.

    Jetzt mal ehrlich, solche Effekthaschereien sind doch journalistischer Kindergarten, passen jedoch leider zur sonstigen Belanglosigkeitstendenz der „FLASH“, die nun ganz offiziell von Galli und mir dadurch abgestraft wird, dass wir diesem Blättchen keinen ganzen Beitrag mehr widmen. So, das habt ihr nun davon!

    Viel lieber erzähle ich unserer Handvoll hoffentlich noch vorhandenen Lesern, warum es so lange gedauert hat, bis ich hier mal wieder einen geistigen Erguss abliefere. Das hängt nämlich mit Kwami Ogonno zusammen, einem der aktuellen alter egos meines Jugend-Idols Günter Wallraff, der nichts weniger ist als der deutsche Gottvater des grenzgängerischen Enthüllungsjournalismusses.

    Als ich nämlich vor einigen Wochen las, dass Wallraff für sein neues Buch (und seinen am Donnerstag angelaufenen Film „Schwarz auf weiß“) mit viel Schminke und Afro-Perücke in die Rolle des fiktiven Somaliers Ogonno geschlüpft ist, um die Deutschen in allen Teilen des Landes als zumindest latente Rassisten zu überführen, kam mir die Idee, selbst mal einen ähnlichen Feldversuch durchzuführen.

    Ich habe mir also über eine befreundete Maklerin eine vorübergehend leerstehende Wohnung in der Osloer Straße in Köln-Chorweiler besorgt und bin dort als Teilzeit-Transe Oxana Orgasmus (Google hat mir versichert, dass ich durch diesen Namen keiner professionellen „Kollegin“ ins Gehege komme) eingezogen, die vorzugsweise am Wochenende in den späteren Abendstunden aufgefummelt (oder auch mal im dezenten schwulen Urban-Trendsetter-Style) durch das Viertel streicht.

    Und, was soll ich euch sagen? Es stimmt tatsächlich, dass es in Chorweiler zumindest für eine offensichtlich homosexuelle (bzw. im aufgefummelten Zustand vom Augenschein her eher transsexuelle) Person nicht besonders angenehm ist zu leben! Dumm nur, dass diejenigen, die mich auf unterschiedliche Art und Weise beschimpft oder sexuell angemacht haben, nach meiner Laienwahrnehmung teilweise türkische oder arabische Vorfahren hatten, was mich weg von Günther Wallraff, aber hin zu Thilo Sarazzin führt, diesem Hasardeur des politisch unkorrekten Diskurses.

    Seinem guten Ruf gedenkend schließe ich am Ende meines heutigen, teilweise fiktionalen und etwas sehr wirren Comebacks mit den Worten: ich erkenne niemanden an, der das ihm Fremde per se ablehnt oder nicht gelten lässt.

    Puuh, was für ein salbungsvoller Abgang. Naja, beim nächsten Mal wird es wieder handfester, bei der ARCUS-Stiftungsinitiative scheint es Neuigkeiten zu geben!

    Noch Fragen, Galli?

    Galli
    Ja, Halli: Wenn ich mit dir fertig bin und rausgefunden habe, wo du wirklich die letzten fast drei Wochen gesteckt hast, wird von dir nicht mehr viel übrig bleiben als von Cher nach einer Einäscherung, das ist dir klar, oder?

  • Harndrangproblematik

    Galli
    Ein Beitrag von: Galli

    Mein Arzt schaute mich schon etwas irritiert an, als ich ihn bei meinem heutigen Besuch danach fragte, was ein Katheter samt dazugehörigem Fünf-Liter-Urin-Auffang-Pool kosten würde, oder ob so eine Investition von der Krankenkasse getragen würde. Grund dieses Interesses war der gestrige Abend, an dem Halli und ich einen Szenebummel allererster Güte hingelegt haben. Und während man sich an aromatisiertes Tümpelwasser namens Kölsch und aufdringliche Alkoholleichen des Typs „langjähriges ADAC-Mitglied“ im Laufe der Jahre ja gewöhnt hat, werde ich mit einer Sache niemals meinen Frieden schließen können: den Toiletten in Schwulenkneipen.

    Sicher, man sollte nicht alle dieser heimeligen Institutionen über einen Kamm scheren. Geht auch gar nicht, da diese Schrecken der menschlichen Notdurft viel zu viele grausige Gesichter tragen.

    Beispiel 1: Fliegeralarm
    Nachdem man viereinhalb Stunden an einer Kneipentheke alle Themen vom letzten Fick bis zur Bundestagswahl hinter sich und dabei ein gutes Dutzend Kölsch verdrückt hat, treibt einen das gewisse Bedürfnis in Richtung der örtlichen Jauchegrube. In gut besuchten Etablissements darf man davon ausgehen, dass die Urinale bereits umschaukelt werden, aber, Freude über Freude, just wird die einzige und bereits unterwässerte Kabine frei. Kurzum scheißen wir auf Gummistiefel und verschaffen uns die lang ersehnte Erleichterung. Kaum haben wir unser Geschäft verrichtet und den Spülhebel betätigt, erwartet uns aber eine Überraschung, die wir sonst nur aus der Gemüseabteilung des LIDL oder aus dem eigenen Obstkorb nach drei Wochen Sommerurlaub kennen: Eine tiefschwarze Wolke aus kleinen Fliegen, die der altbiblischen Heuschreckenplage recht nahe kommen dürfte. Nach einem kurzen Würgen bahnen wir uns den Weg ins freie und sehen aus wie Carlos Sastre nach einer Talfahrt. Ekelerregend.

    Beispiel 2: Und stündlich grüßt das Murmeltier
    Geht man einmal, geht man immer. Kaum hat man einmal das stille Örtchen nach einem gewissen Kölschkonsum aufgesucht, kann man sich sicher sein, dass die innere Eieruhr auf die Sekunde genau einen regelmäßigen Rhythmus einschlägt. Und dann heißt es: Mindestens einmal stündlich treten wir den Gang der Gänge an. Was schnell zu einem festen Ritual avanciert, bekommt auch bald Gesellschaft, nämlich in Form des Typens, der seit mehreren Stunden vor einem der Pissportale herumpendelt und dabei noch verzweifelter sein Ding knetet als der letzte Gast in der Midnight Sun. Natürlich: sein Alkoholisierungsgrad lässt es nicht mehr zu, sich darüber Gedanken zu machen, ob sein Langzeitaufenthaltsort allen anderen Gästen komisch vorkommen könnte. Dafür starrt er dem unbescholtenen Kneipengast dermaßen ungeniert auf das Gemächt, dass selbst Erika Berger rot anlaufen würde. Dabei hat dieser bemitleidenswerten Kreatur scheinbar noch niemand zwei Dinge verraten: Erstens braucht man für einen Quicky auf dem Damenklo zunächst einen Schlüssel von der Theke, und zweitens ist für ungehemmten Geschlechtsverkehr eine Erektion von großer Hilfe. Beides liegt heute Abend in weiter Ferne.

    Beispiel 3: Altdeutsches Grauen
    Es gibt leider immer noch Gastronomen, die meinen, eine rustikale Einrichtung steigere das empathische Wohlbefinden, ignorieren dabei aber, dass alt und schmuddelig das ästhetische Auge des Betrachters auf tiefste beleidigt. Zwar gibt es einige schwule Kneipen dieser Fasson, vermehrt kommt diese Inneneinrichtung aber in Kneipen vor, die versuchen, mit dem Adjektiv „gay-friendly“ einen letzten Kundenfang zu betreiben, oder aber in solchen Lokalitäten, deren ausgeprägt homophobe Betreiber das Schicksal trifft, ihre Schankbude ausgerechnet neben einer schwulen Bude aufgemacht zu haben. Betritt man jedenfalls das erste Mal so ein Lokal, sucht man zunächst verzweifelt nach einem der schicken, mit Branntschrift verzierten Holzschilder, die einem den Weg zwischen Kunstblumenwäldern zum WC weisen. Was uns dort erwartet, ist ein in Bronze gegossenes Ratespiel. Denn anstatt schlichtweg ein „D“ oder „H“ an die Türen zu zimmern, hängen da zwei Barockfigürchen, die zwar einen Einblick in das Trachtenwesen des 19. Jahrhunderts gewähren, aber nicht den geringsten Aufschluss darüber geben, welchen Geschlechtes sie sein könnten. Die Frage „ist das eine Dirndlfalte oder ein Halbsteifer“ wird hier zum Vabanquespiel. Meist hilft erst ein verschmitzter Blick und der Anblick der Urinale verschafft Sicherheit, die richtige Tür gefunden zu haben. Hat man nach türkisen Klosteinen und gekräuselten Opa-Schamhaaren den ersten Würgereflex unterdrückt, ist es eine Wohltat, die Blase zu entleeren, die mittlerweile den Druck eines gängigen LKW-Reifens angenommen hat.

    Dieser wahllosen Aufzählung könnten sich unzählige Beispiele anschließen. So diverse Fetischläden, bei denen Gummistiefel nicht mehr reichen, sondern man auf Schwimmflügel zurückgreifen sollte. Oder Cruising-Locations, deren besonderer Pfiff eine bewässerte Glaswand des Typs „Niagara“ darstellt. Disco-Toiletten, deren Kabuffs abwechselnd entweder zum Koksen oder Begatten benutzt werden, aber ganz sicher nicht, um Verdauungsrestbestände ihrer ordnungsgemäßen Entsorgung zuzuführen. Und selbst kleinere Gastronomien, die den Gesamtbestand der spanischen Zitrusfruchtproduktion in die Urinrille kippen und trotzdem noch stinken wie das Bonobo-Gehege im Kölner Zoo, fallen in diese Aufzählung. Schlimmer sind eigentlich nur noch jene gewissen Lokale, die ihre Verrichtungsboxen in den Keller ausgelagert haben und deren geflieste Treppen eine Niederkunft mit der akuten Gefahr einer Querschnittslähmung verbinden.

    Nein, ich habe beschlossen, nicht mehr in Schwulenkneipen pissen zu gehen. Entweder klappt das mit dem Auffangbeutel vom Arzt, oder ich suche mir bei Gayromeo einen dieser berühmten Natursekt-Sklaven (die geläufige Abkürzung war mir jetzt zu heikel). Der würde wunderbar in die Reihe meiner Putz-, Stiefelleck-, Autowasch- und Steuererklärungs-Slaves passen. Diese 24/7-Masos sind einfach praktisch!

    Noch Fragen, Halli?

    Halli
    Ja, Galli: Welches arme Murmeltier hast du denn gestern penetriert, als du erst nach geschlagenen 20 Minuten vom Klo zurückgekommen bist und mir wie zur Entschuldigung ein paar besonders scheußliche Umsonst-Postkarten angeboten hast?

  • Anlassbezogene Selbstverleugnung

    Halli
    Ein Beitrag von: Halli

    Jetzt ist es bald schon eine Woche her, dass für mich ziemlich unerwartet eine eindeutige Mehrheit der Wahlbürger CDU, CSU und FDP mit der Bildung einer neuen Regierung beauftragt hat.
    Mein Gefühl war eigentlich eher, dass wir in Deutschland inzwischen eher einen deutlich linken Mainstream haben, der nur noch darauf wartete, in einer rot-rot-grünen Koalition im Deutschen Bundestag zu münden.

    Jedenfalls beschäftigt mich der Ausgang der Wahl nach wie vor, und daher habe ich mir auch das „Wahlsonderheft“ des Magazins „Der Spiegel“ gekauft, obwohl selbst mir dieses Blatt oft zu zynisch (und auch homophob) ist.

    Um jetzt langsam mal die schwul-lesbische Kurve zu bekommen, hier nun das mich beschäftigende Zitat aus der Chronik des Wahltages, die einen der vielen Spiegel-Reporter offensichtlich um 18:15 Uhr in die uns vermutlich allen gut bekannte Brennerei Weiss geführt hat: „Schwul sein ist kein Grund, FDP zu wählen, kein Grund, mit zwei Kreuzen die Chance zu erhöhen, dass ein offen schwuler Mann für Deutschland die Welt bereist.´Ich find es gut, dass er die Auftritte mit seinem Freund dosiert´, sagt Timo; roter Teppich in Bayreuth ist in Ordnung, mit Michael Mronz auf den roten Teppich des Kreml muss aber nicht unbedingt sein.“

    Hallo? Was ist das denn für eine verdruckst-defensive Scheiß-Haltung?

    Ok, Schwule müssen natürlich nicht alle FDP wählen, auch die Grünen haben ja traditionell guten Zulauf von den Schwuppen, und es soll ja sogar in der maroden SPD noch ein paar versprengte „Schwusos“ (allein für diese Bezeichnung gehört diese Partei endgültig in die Mottenkiste!) geben.

    Aber wer bitte schön ist es denn mit so wenig homosexuellem Selbstbewusstsein geschlagen, dass er eilfertig Positiv- und Negativlisten mit möglichen Anlässen erstellt, auf denen unsere vielleicht bald zum Außenminister avancierte „Schwesterwelle“ mit bzw. ohne ihren „Micky“ aufwackeln soll?

    Bayreuth ja, Kreml nein, wie geht das denn dann weiter? Oktoberfest ja (aber nur zum schwulen Tag in der Bräurosl!), Bambi-Verleihung gerne, G-20-Treffen besser nicht, Nahost-Gipfel nein, Antrittsbesuch im Vatikan doppelt nein?

    Mich macht der Gedanke, den „Timo“ (er soll nach Angaben des Spiegel 33 Jahre alt und Betriebswirt sein) da an diesem sehr prominenten Beispiel entwickelt, richtig wütend, weil er in der Konsequenz schlicht und einfach dazu führt, dass man als Schwuler eben nicht einfach leben kann wie jeder Hetero, sondern ständig dazu angehalten ist, Rücksicht auf mögliche Empfindlichkeiten Anderer zu nehmen, seien es nun Privatpersonen, Institutionen oder gleich ganze Staaten.
    Sollten wir uns nicht lieber wünschen, dass immer mehr Menschen, seien sie nun in der Öffentlichkeit präsent oder nicht, eine so starke Zufriedenheit mit ihrer sexuellen Identität und ihrer Partnerschaft entwickeln, dass sie diese ohne falsche Rücksichtnahme überall dort zeigen, wo es ihnen selbst opportun erscheint?

    Ich hätte jedenfalls, und dies ist für mich persönlich durchaus eine schräge Entwicklung, große Freude daran, zu einer Solidaritätsdemonstration mit Guido Westerwelle und Michael Mronz aufzurufen, nachdem dem deutschen Außenminister und seinem Freund die Einreise in die islamische Republik Iran verboten wurde!

    Der einzige, der mich vor dieser Demonstrationsteilnahme bewahren wird, dürfte jedoch der FDP-Vorsitzende selbst sein. Denn bei aller Liebe: seinen Freund auf eine Dienstreise in den Iran mitzunehmen, das traut sich unsere „Schwesterwelle“ ganz bestimmt nicht.

    Noch Fragen, Galli?

    Galli
    Ja, Halli: Wie sieht das denn aus, wenn Micky seinen Guido bei dem jetzt hoffentlich beginnenden Intensivkurs Englisch begleitet? Ein klares ja, oder?

  • Damenprogramm

    Galli
    Ein Beitrag von: Galli

    Endlich! Endlich, endlich, endlich hat Deutschland eine adäquate First Lady! Was mussten wir über Jahre an Demütigungen erleiden! Michelle Obama, die schwarze Ostküsten-Perle und das singende Sexobjekt Carla Bruni rocken die internationalen Politbühnen, während Berlusconi gleich ein ganzes Rudel minderjähriger Magermodels ins Rennen schickt! Und was präsentieren wir der geschockten Weltöffentlichkeit? Professor Joachim Sauer: Ein missglücktes physikalisches Experiment im karierten Sakko. Hilfe!

    Aber nun hat alles ein Ende. Es mag einem persönlich passen oder nicht, dass Guido Westerwelle seit gestern ein Grinsen auf dem Gesicht trägt, das schlimmere Gräben zieht als die Westfront 1918. Eines ist dennoch sicher: Guido wird Außenminister, und sein smarter Lebensgefährte Michael Mronz, optisch ein in Mecklenburg-Vorpommern geklonter Hugh Grant, erlöst uns als neue First Lady der Herzen aus der Schreckensherrschaft von Mecki dem Igel.

    Ob Westerwelle auf internationalen Finanzgipfeln, in der Afghanistan-Frage oder beim Weltklimagipfel eine gute Figur abgibt, Deutschlands Interessen gebührend vertritt oder als Homo-Heiland den Frieden in den Nahen Osten trägt, mag man zunächst unterschiedlich prophezeien, bezweifeln oder schlichtweg abwarten. Was mir als alte Glamour-Transe schon jetzt gefällt, ist die Vorstellung, was beim Damenprogramm abgeht, während Guido in die Sümpfe internationaler Realpolitik hinabgezogen wird.

    Vor meinem geistigen Auge sehe ich den feschen Sportmanager Mronz mit Carla Bruni auf dem Champs-Élysées Shoppen und Champagner trinken. Ich sehe ihn mit Michelle Obama bei der New Yorker Fashion-Week, wo er sich in einem dämmerigen Hinterzimmer heimlich mit Prop8-Aktivisten trifft. Ich sehe ihn, geschniegelt und gestriegelt, zwischen den pastellfarbenen Zweiteilern der weltweiten First-Ladies-Haute-Couture, die nichts anderes zu tun hat, als sich darum zu streiten, wer von ihnen die Schwulen-Mutti sein darf. Und das gefällt mir.

    Was mir aber bei Weitem besser gefällt, sind die Besuche unseres Außenministers und seines Anhängsels in Ländern, die in den letzten Jahren nicht gerade durch ihre Schwulenfreundlichkeit aufgefallen sind.

    Denn bei der Inspektion des Wiederaufbaus in Afghanistan würden es die örtlichen Machthaber sicherlich wertschätzen, wenn Guido seine Micky Mouse aus Respekt vor den heimatlichen Gepflogenheiten in eine gelb-schwarz gestreifte Burka hüllen würde. Und beim Antrittsbesuch in Zentralafrika ist eine kongolesische Nationaltracht samt balancierten Tonkrug auf dem Kopf sicherlich am ehesten geeignet, um der Rolle der „Partnerin“ in der Gesellschaft gebührend Ausdruck zu verleihen.

    Soweit wird es, Göttin sei Dank, aber nicht kommen. Und deshalb lass ich meine persönliche Einstellung zu Westerwelle mal ganz außen vor und freue mich einfach tierisch darauf, Guido nach Saudi-Arabien, Polen oder Namibia reisen zu sehen. Es erfüllt mich ehrlich mit purer Gehässigkeit, dass Länder, die von uns Entwicklungshilfe erhalten, aber schwule Männer verhaften, foltern oder gar töten, sich mit einem Exemplar dieser Gattung konfrontiert sehen. Und ich freue mich auch über das Symbol an die Menschenrechtsorganisationen in diesen Ländern, die sehen, dass es auch anders geht. Nicht zuletzt freue ich mich außerordentlich auf die Gesichter der Ahmadineschads, Putins und Kaczynskis dieser Welt, die es hassen werden wie die Pest, mit Schwesterwelle zu verhandeln – und das erste Mal denke ich, dass Bush ein ganz klein bisschen zu früh gegangen ist.

    Nichts desto trotz bin ich aber auch gespannt. Denn Symbolpolitik hin oder her: messen lassen muss sich Guido zumindest aus unseren Reihen auch daran, wie aktiv er selbst vorgeht. Und dann heißt es eben Mund aufmachen beim nächsten CSD in Moskau. Dann heißt es Mund aufmachen bei den Ausfällen evangelikaler Fundamentalisten in den USA oder bei Steinigungen in Irak/Iran/Absurdistan. Und dann heißt es auch Mund aufmachen, wenn das eigene Land mal wieder fünf Minuten hinter der Zeit tickt.

    Denn seien wir mal ehrlich: Auch für Deutschland und die Gesinnung eines Großteils seiner Wähler ist es noch lange nicht selbstverständlich, dass wir eine Frau zur Kanzlerin und einen schwulen Vizekanzler/Außenminister haben. Von alten SED-Kadern in der Linken bis zu ekelerregend national-konservativen Funktionsträgern in der CSU lassen sich die Reaktionen auf dieses Thema an verbitterten Fratzen ablesen. Und dem durchschnittlichen deutschen BILD-Leser ist dieses Thema bestenfalls egal – die meisten Menschen sind aber in dieser Frage leider immer noch so verkniffen wie nach einer großen Portion Pasta Diabolo. Da können die Grünen die offene Gesellschaft noch so lange beschwören.

    Schwule Oberbürgermeister in Hamburg und Berlin haben ein kleines Stück Selbstverständlichkeit in Deutschland gefördert. Vielleicht kommen wir in den nächsten vier Jahren ja dahin, dass sich die bundesdeutschen Bürgerinnen und Bürger auch weiterhin mehr Gedanken darüber machen, ob sie Westerwelle zum Kotzen unsympathisch finden oder als vertrauenswürdigen Macher einschätzen, anstatt sich den Kopf über seine Homosexualität zu zerbrechen. Denn das wäre noch ein großes Stück Selbstverständlichkeit mehr. Und egal, wie die Farbenlehre eines Wahlabends aussieht, kann ein Tupfer Rosa in dieser Hinsicht eigentlich nie schaden.

    Letztendlich: Wenn Westerwelle und Duzfreundin Angie in der kommenden Legislaturperiode alles richtig machen und uns ins gelobte Land der Niedrigsteuerpolitik, Vollbeschäftigung und Bildungselite führen, hätte ja keiner einen Grund sich zu beschweren. Und wenn nicht? Dann haben sich vermutlich SPD und Linke längst den Bruderkuss aufgeschmatzt und die Grünen sich in Regierungsrage geredet, sodass es beim nächsten Mal halt für einen schwulen Kanzler Wowereit reicht. Und dann heißt es abermals „Wer hätte das vor ein paar Jahren für möglich gehalten?“, macht dieses Land einen weiteren Schritt in Sachen Selbstverständlichkeit und versucht sich ein weiterer Kandidat am Glück dieses äußerst schwer zu beglückenden Volkes.

    Noch Fragen, Halli?

    Halli
    Ja, Galli: Ist es protokollarisch nicht richtiger und auch viel wahrscheinlicher, dass Guido´s „Micki“ in den USA den guten alten Bill Clinton mit einem ordentlich geblasenen „Herrenprogramm“ versorgt?

  • Putativparallelitäten

    Halli
    Ein Beitrag von: Halli

    Ne, wat is dat spannend mit den Bundestagswahlen am kommenden Sonntag, ich mach´ mir echt jeden Tag beinahe ins Höschen vor Aufregung! Ich fand´ auch den Wahlkampf gar nicht so langweilig wie von vielen behauptet, erst vorgestern zum Beispiel saß ich fasziniert vor der Glotze, als Frank Plasberg, der einzige einigermaßen helle Stern am Polittalker-Firmament, die Generalsekretäre bzw. Geschäftsführer der im Bundestag vertretenen Parteien zur „Generalabrechnung“ geladen hatte.

    Da flogen die Giftpfeile und kleinen Spitzen nur so durch das Studio, und nach der inzwischen x-ten Wahl-Talkshow konnte ich schon ganz gut beurteilen, ob die Parteivertreter ihre Schlüsselargumente zu den Themen Steuersenkung, Mindestlohn, Hartz IV und Atomausstieg schnell parat hatten und sich damit gut in Szene setzen konnten.

    Weil unser Plüschgeflüster aber nun einmal ein schwul-lesbischer Blog ist, habe ich mir heute Morgen nach dem Aufwachen im Bett überlegt, ob es nicht möglich wäre, den im Bundestag sitzenden Parteien nach inhaltlichen Kriterien Organisationen aus der Kölner Szene zuzuordnen.

    Und da ich nicht genug Zeit hatte, um vielleicht zu dem Ergebnis zu kommen, dass dieser Plan eine richtige Schnapsidee ist, präsentiere ich euch jetzt voller Stolz meinen Versuch, die Farbenlehre des politischen Berlins auf die bunte Vielfalt der Kölner Community herunterzubrechen (in absteigender Reihenfolge nach der Anzahl der Mandate im Deutschen Bundestag):

    CDU = SC Janus e.V. :
    So ähnlich, wie die CDU inzwischen fast schon die einzig verbliebene Volkspartei in Deutschland ist, ist der SC Janus mit Abstand der größte schwul-lesbische Verein in Köln. Weit mehr als 1.000 Mitglieder tummeln sich unter seinem Dach. Die Größe ist aber nicht das einzig verbindende Element zwischen dem Sport-Club und der CDU. Denn genauso wenig, wie die CDU-Mitglieder nach vier Jahren Kanzlerschaft von Angela Merkel wissen, wofür ihre Partei eigentlich (noch) steht, haben die Janus-Mitglieder bis heute irgendeine Ahnung, ob es in ihrem Verein nur um gemeinschaftliche ausgeführte Körperertüchtigung, oder vielleicht zusätzlich noch um einen (gesellschafts-)politischen Anspruch geht. Nur gut, dass der Janus-Vorsitzende Michael Lohaus dem Vernehmen nach tatsächlich der CDU sehr nahe steht. Da kann er sich ja bei der großen Vorsitzenden abgucken, wie man einen ziemlich großen Laden nahezu geräuschlos schmeißen kann.

    SPD = AIDS-Hilfe Köln e.V.:
    Dieser Vergleich ist einigermaßen pikant, weil böse Zungen schon lange behaupten, dass die SPD-Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes nur deshalb bereits eine Ewigkeit im Vorstand des Vereins sitzt, um damit ihre Dauerpräsenz in der schwul-lesbischen Welt rechtfertigen zu können, die nach ihrer Trennung von Ex-Regierungspräsident Franz-Josef Antwerpes so etwas wie ihre neue Familie geworden sein soll. Aber natürlich gibt es auch inhaltliche Ähnlichkeiten. Denn beiden Organisationen ist seit einiger Zeit ihr großes Thema abhanden gekommen. Die SPD lässt sich ihre so identitätsstiftende „soziale Gerechtigkeit“ inzwischen von der EX-SED-EX-PDS-JETZT-LINKE fremddefinieren und scheut sich im übrigen davor, das Erbe ihres Reformkanzlers Gerhard Schröder selbstbewusst zu bewahren und fortzuführen. Und die AIDS-Hilfe hat nicht nur mit lästigen kleinen Co-Anbietern in ihrem ureigenen Tätigkeitsfeld zu kämpfen, sondern hat nach 25 Jahren auch große Mühe, die Themen HIV-Prävention und Solidarität mit an Aids Erkrankten im gesellschaftlichen Diskurs wachzuhalten. Alte Tante SPD und bedrängter Onkel AIDS-Hilfe Köln. Ein tragisches Gespann mit großer Geschichte!

    FDP = Regionalgruppe Köln Völklinger Kreis / Regionalgruppe NRW Wirtschaftsweiber:
    Ich gebe zu, dass dieser Vergleich so naheliegend ist, dass man ihn schon aus Prinzip hinterfragen muss. Denn warum bitte schön sollten Unternehmer und Führungskräfte heutzutage noch FDP wählen, wenn Guido Westerwelle inzwischen schon in fast jeder Talk-Show partielle Zustimmung zu Lafontaineschen Statements äußert und zur Verdeckung des anachronistisch anmutenden Hauptthemas Steuersenkung immer häufiger die Forderung nach einer Verdreifachung des Hartz IV-Schonvermögens vor sich hergetragen wird? Ja, warum nur? Vermutlich deshalb, weil die anderen Parteien noch weniger für diejenigen Menschen übrig haben, die zwar meist ganz anständig verdienen, dafür aber auch einen Großteil der Steuern aufbringen, die der Staat dann mehr oder weniger gerecht verteilen kann. Leistungsträger darf man die ja nicht mehr nennen, denn das sind ja inzwischen diejenigen, die mit möglichst wenig persönlichem Einsatz möglichst viele soziale Transferleistungen zu akquirieren in der Lage sind.

    Bündnis 90 / Die Grünen = LSVD Ortsverband Köln
    Das muss ich ja wohl kaum noch begründen, oder? Jahrelang war der LSVD auf allen Ebenen von grünen Parteigängern dominiert, prominenteste Vertreter dieser Hegemonie sind bzw. waren der grüne Bundestagsabgeordnete Volker Beck und sein inzwischen leider verstorbener Mann Jacques Teyssier. Das mit der grünen Übermacht beim LSVD ist jetzt auch gar nicht böse gemeint. Die Partei und der Verband ergänzten sich lange Zeit kongenial beim Kampf um die Gleichberechtigung von Schwulen und Lesben. Aber es gibt immer noch auch schöne aktuelle Gemeinsamkeiten. Denn sowohl die Grünen, als auch der LSVD sind sich nicht zu schade, beim Thema Menschenrechte immer sehr genau hinzuschauen und das dann auch entsprechend emotional rüberzubringen. Die Grünen haben dafür die zuverlässige Tränendrüse Claudia Roth im PR-Arsenal, der LSVD besitzt mit dem Geschäftsführer Klaus Jetz immerhin noch jemanden, der sich stets anhört, als wenn er gleich losheulen müsste. Leider bleibt er jedoch im Gegensatz zu Roth nicht immer in der mitleiderzeugenden Betroffenheitsspur, sondern endet gelegentlich im Sauertöpfischen.

    Die Linke = Sozialwerk für Lesben und Schwule e.V.
    Aus meiner Sicht ist das der bösartigste Vergleich. Denn wer möchte schon mit dem einzig amtlichen Paria der bundesparlamentarischen Parteiendemokratie in einen Topf geworfen werden? Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass die Damen und Herren vom Rubicon ebenso wenig wie die Jungs und Mädels vom anyway etwas dagegen haben werden, die sozialpopulistischen und außenpolitisch unzuverlässigen Ex-Kommunisten mit offenen Armen aufzunehmen und Stück für Stück in ihr der Realität entzogenes Soziotop zu assimilieren. Und wer weiß, vielleicht gibt es ja sogar noch die Möglichkeit, sich von irgendeiner staatlichen Stelle die Einrichtung einer professionell begleiteten Selbsthilfegruppe für lesbische oder schwule Linke mit Totalitarismushintergrund und pränatalen sexuellen Gewalterfahrungen fördern zu lassen. Gibt es auch inhaltliche Gemeinsamkeiten? Ja, ganz bestimmt. Ich glaube, dass auch das Sozialwerk den sofortigen Rückzug der deutschen Truppen aus Afghanistan befürwortet. Schließlich nützen einem traumatisierte Soldaten im Ausland ja nix. Zumindest solange, bis es nicht eine Rubicon-Außenstelle in Kunduz gibt. Mal mit den neuen Freunden von der Linken drüber sprechen. So als Übergang. Warum nicht. Macht doch Sinn.

    CSU = KLuST e.V.
    Hier reicht ein Begriff, um die Gemeinsamkeit sinnfällig zu machen: gesinnungsloser Populismus! Genauso wenig, wie die bayerische Schwesterpartei der CDU (die als Regionalparei tatsächlich die kleinste Abgeordnetengruppe im Deutschen Bundestag stellt) sich mit ihrem Vorsitzenden und anderen Spitzenkräften einen Dreck darum kümmert, was sie gestern noch in die Mikrofone geblasen und in Bierzelten verzapft hat, hat der KLuST offenbar irgendeine Ahnung davon, wo er mit seinem CSD hin will und von welchen Prinzipien diese angeblich politische Spaßveranstaltung getragen ist. Was der CSU recht ist, nämlich das Drehen des Fähnchens je nach Stimmungslage in der Bevölkerung, ist dem KLuST schon lange billig. Anders ist dieses Charta-Gemurkse, das viele bestimmt schon vergessen haben (ich liebe unser Archiv!), wohl nicht zu erklären, das den KLuST mal als Scharfmacher, mal als Getriebenen, und schließlich als zahnlosen Tiger im Westentaschenformat dastehen ließ. Etwas anderes verbindet die beiden Organisationen ebenfalls noch: sowohl bei der CSU, als auch beim KLuST spielt die bierselige Gemütlichkeit eine nicht zu unterschätzende Rolle. Wer einmal im Backstage-Bereich des CSD war, wird erlebt haben, wie leicht es einem dort gemacht wird, den ein oder anderen Ärger über die Veranstaltung im Frei-Kölsch zu ertränken. O´zapft is!

    Noch Fragen, Galli?

    Galli
    Nein, Halli, dieses Mal habe ich sogar drei Fragen:

    1. Was zum Teufel bedeutet "putativ"?
    2. Seit wann schreibst du dir so die Finger fusselig? Das war doch immer mein Part!
    3. Wenn du weiter so machst schlage ich dich als Amtsnachfolgerin von Maria Rohlinger in der Rosa Liste vor! Möchtest du das wirklich?

  • Das Wort zum (Wahl-) Sonntag

    Galli
    Ein Beitrag von: Galli

    Es gibt Werbung, die kann man nachvollziehen: Dass in Zahnpasta kleine silberne Stückchen drin sind, um mir den Fisch von letzter Woche Freitag restefrei aus dem Gebiss zu scheuern, glaube ich ebenso unbesehen wie die mediale Heilsbotschaft, dass in einer Packung Froop das Lebendgewicht eines dreijährigen Mädchens an Erdbeeren enthalten ist. Dass ich solche Botschaften blind abkaufe, liegt an dem Zauberwort der zuständigen Industrie: Produktvorteil! Allerdings gibt es auch Werbung, die komplett ohne diesen schillernden Mehrwert auskommt: Wahlwerbung zum Beispiel!

    Und damit wären wir auch schon beim Thema Nummer eins der Saison: Es ist Wahlkampf!

    Ja, ihr habt richtig gehört! In acht Tagen wird sich einmal mehr in der ruhmreichen bundesdeutschen Geschichte ein Heerzug aus Hartz-IV-Empfängern, pickeligen Biologie-Studentinnen, Altnazis und (vermutlich zum letzten Mal) Opel-Werksarbeitern auf den Weg machen, um ihr unmaßgebliches Kreuzchen so zielsicher an die falsche Stelle zu machen, dass ja keine sinnvolle Koalition zu Stande kommt.

    Und wer trottet mit dem Habitus eines politischen Allwiss hinterdrein? Richtig, der gemeine Pulk an Schwulen und Lesben, die glauben, einmal in der Woche queer.de zu lesen reiche aus, um sich eine fundierte Meinung im regenbogenfarbenen Parteienspektrum bilden zu können.

    Das führt dazu, dass man sich einige Wochen vor der Wahl Mund und Ohren mit Pattex zukleben sollte, um nicht Gefahr zu laufen, in eine politische Diskussion verstrickt zu werden. Schon gar nicht in eine, in der Politik eine Rolle spielt, die sich mit der Gleichstellung von Schwulen und Lesben mit dem modrigen Rest der Gesellschaft befasst. Denn dann bekommt man im allgemeinen Wahlrausch hervorgerufene und intellektuell so bestechende Aussagen zu hören wie:

    • „Die Linke? Klar wähle ich die! Die haben damals in der Zone schließlich den Paragraphen 175 weit vor uns abgeschafft! Das kann doch kein Unrechtsstaat gewesen sein!“ Nur zu! Und übrigens: Wenn du willst, baue ich eigenhändig eine Mauer um dich rum, inklusive Schäferhund und Selbstschussanlage!

    • „Die CDU? Klar wähle ich die! Die trauen mir zwar nicht zu, dass ich jemanden gleichen Geschlechts lieben könnte (und erst recht kein Kind), sondern dass ich den lieben langen Tag nur auf Arschficken aus bin, aber ich glaube, die können mir am besten meinen Arbeitsplatz garantieren!“ Nur zu! Und übrigens: Dein Menschenbild ist faszinierend!

    • „Die FDP? Klar wähle ich die! Immerhin haben die seit Jahren eine schwule Kraterlandschaft zum Vorsitzenden, ganz schlecht können die ja nicht sein!“ Nur zu! Wobei ich mir nicht sicher bin, ob der gute Herr noch Zeit für Gleichstellungspolitik hat, wenn er demnächst nicht nur Merkel beglücken, sondern auch noch für Seehofer hinhalten muss. Der soll ja für sein Alter noch sehr potent sein!

    • „Die Grünen? Klar wähle ich die! Das sind doch die Lieben, oder?“ Ja klar sind die das, und gerade deswegen so unerträglich! Nur weil Beck, Roth und Künast sich als siamesische Drillinge ausgeben und auf jedem CSD von Rockstock bis Altötting ein Grinsen auflegen, als wäre ihnen beim aneinander rumspielen das Gesicht stehengeblieben, können die trotzdem eine ganze Menge Scheiße fabrizieren. Man denke beispielsweise an die Ökosteuer, oder glaubst du, dass der Pride-Truck der Öko-Lesben mit Eigenurin fährt?

    • „Die SPD? Ne, die wähle ich nicht, macht ja sonst auch keiner!“ Stimmt, und Müntes lesbische Tochter ist schon lange kein schlagendes Argument mehr!

    Aber mal ehrlich: Was wird uns Otto-Normal-Schwuppen auch als zielgruppenspezifischer Lockbraten vorgeführt? Ole van Beust? Selbst Data aus „Raumschiff Enterprise“ hatte eine gesündere Gesichtsfarbe, und, meiner Vermutung nach, auch den besseren Emotions-Chip! Oder Klaus Wowereit? Entschuldigt mal bitte, aber abgesehen von dieser pubertierenden Partyhengst-Schiene würde ich die Popper-Revival-Frisur, die „Wowi“ (uargs!) nach dem Kanzlerduell der geschockten Öffentlichkeit präsentierte, nicht einmal einem weißrussischen Waisenkind durchgehen lassen (und die sind so süß, die können normalerweise alles tragen!).

    Ne Leute, was schwul-lesbische Politik angeht, habe ich die Schnauze voll und kann mir auch keiner mehr was erzählen. Vielleicht wähle ich am 27. September einfach die NPD oder die Partei Bibeltreuer Christen. Wenn man diese gefährlichen Spinner mit einer komfortablen absoluten Mehrheit ausstatten würde, könnte man sich entweder den neuesten Clou für eine geschmeidige Republikflucht ausdenken, oder, „vive la resistance!“, man hätte mal wieder so richtig etwas zum Aufbegehren!

    Und dann würde es endlich mal wieder spannend in unserem vor Selbstmitleid zerfließenden Schlaraffenland, und wir müssten uns nicht einen Wahlkampf antun, der zähfließender ist als... ihr wisst schon!

    Noch Fragen, Halli?

    Halli
    Ja, Galli: Spüre ich da so etwas wie Politikverdrossenheit bei dir, Liebes? Dabei hast du doch zur Kommunalwahl noch so davon geschwärmt, wie Peter Kurth dich auf der „Sexy“-Party angetanzt hat!

  • Abgeschmierter Premierenblitz

    Halli
    Ein Beitrag von: Halli

    Wenn man, wie Galli und ich, nur durchschnittlich 30 Besucherinnen und Besucher pro Tag motivieren kann, die eigenen geistigen Ergüsse zu lesen, könnte es unklug sein, einige Stammkunden unseres wunderbaren Blogs durch heftige Kritik an dem neuen Projekt eben dieser treuen Fans zu vergraulen.

    Da Galli und ich aber auch gar nicht für uns in Anspruch nehmen, besonders klug zu sein, werde ich mich, und dies dürfte insbesondere die angesprochene „Dame“ und die beiden Herren nicht überraschen, keinesfalls zurückhalten bei der Kommentierung der Erstausgabe der neuen Szene-Zeitung „Flash“, deren Start wir ja hier bereits erwartungsfroh angekündigt hatten.

    Alle Erwartungen, die ich an dieses neue Medium hatte, wurden bei weitem übertroffen, jedoch vermutlich anders, als sich das die Macher dieser „Boulevardzeitung“ (putzige Selbsteinschätzung) gewünscht haben.

    Ich werde jetzt einfach mal alle Adjektive rausrotzen, die mir bei der Lektüre der ersten „Flash“ in den Kopf gekommen sind. Ist bestimmt auch eine gute Methode, um sich anschließend mit gekühltem Gemüt an einzelnen publizistischen Totalausfällen zu delektieren: peinlich, unterirdisch, kindisch, unprofessionell, dämlich, altbacken, ahnungslos, grausam und überflüssig.

    So, das tat gut! Und sorry, Tom und Marc, das ist gar nicht böse gemeint, jeder Anfang ist ja bekanntlich schwer, und auch die Lindenstraße wurde ja am Anfang von der Kritik niedergeschrieben (ich hoffe, das klingt tröstlich genug).

    Jetzt aber mal konkret, warum ich die erste „Flash“ wirklich scheiße finde. Das fängt direkt auf der Titelseite an, wobei ich gar nicht über die reißerisch-blödsinnige Schlagzeile „40 % in Köln wählen schwul“ oder die falschen Seitenangaben bei der Themenvorschau reden will.

    Absolut strunzblöd, unverzeihlich und motivationsdurchsichtig ist es jedoch, wenn in dem Leitartikel zur Kommunalwahl in Köln dann folgende Sätze stehen, zur besseren Auffindbarkeit durch den spätestens dann bedauernswerten Leser sogar zum Teil in BILD-Zeitungs-Manier noch unterstrichen: „Dass am Ende dieses Wahlabends FDP-Kandidat Sterck noch vor Kurt über die Ziellinie geht, löst allgemeine Erleichterung aus. Denn Kurt Beisicht, von dem hier die Rede ist, Spitzenkandidat der rechtslastige Gruppierung Pro Köln, liegt mit fast 5 % erschreckenderweise nur knapp hinter dem FDP-Mann.“

    Ich kann mir nahezu bildhaft vorstellen, wie sich der Schreiber dieses Textes („Flash“-Chefredakteur Marc Kersten) ausgemalt hat, durch den unterstrichenen Teil des Textes bei dem nur oberflächlichen Leser die Frage auszulösen, ob es denn tatsächlich sein könne, dass der FDP-Kandidat Sterck vor dem CDU-Mann Kurth gelandet ist. Dumm nur, dass die politisch brisante Bezugsperson für diesen journalistischen Taschenspielertrick eben nicht den phonetisch gleichlautenden Vornamen Kurt trägt, sondern schlicht und einfach Markus (Beisicht) heißt. Sollte es natürlich so sein, dass Marc Kersten durch knallharte Recherche rausgefunden haben sollte, dass ProKöln-Chef Beisicht mit zweitem oder dritten Vornamen tatsächlich Kurt heißt, hätte er dies seinen hoffentlich geschätzen Lesern mitteilen müssen, bevor er den Kurt(h)-Gag versucht.

    Fast genauso peinlich ist das Wortspiel „Rot und Roters regieren in Zukunft Köln“ in einer Überschrift zum gleichen Artikel, weil es die auch auf dem Boulevard relevante Tatsache unterschlägt, dass die SPD zusammen mit den viel stärker gewordenen Grünen die Mehrheit im Rat stellen wird.

    Nach diesen ärgerlichen politischen Ungenauigkeiten hatte ich schon gar keine Lust mehr, mir die weiteren Artikel in der „Flash“ genauer anzuschauen, weshalb mir die Belanglosigkeit eines Artikels über eine „schwule“ Dombesteigung und das pseudoprovokante und optisch bei der konkurrierenden „BOX“ abgekupferten „Streitgespräch“ zum Thema AIDS-Prävention kaum noch übel aufgestoßen sind.

    Mein Gesamturteil zur ersten „Flash“: Da muss schleunigst mehr gut recherchierter und origineller Inhalt rein, sonst landet das Projekt schnell vom Boulevard in der Gosse.

    Noch Fragen, Galli?

    Galli
    Ja, Halli: Wie bist du denn auf den Vergleich mit der Lindenstraße gekommen? Liegt es mehr an den menschlichen Abgründen, die sich da auftun, oder an der zweifelhaften Qualität der Protagonisten?

  • Beziehungsweise

    Galli
    Ein Beitrag von: Galli

    Böse Zungen aus meinem engeren Bekanntenkreis behaupten ja vehement, dass der stakkatohafte Wechsel meiner männlichen Bettgenossen mit dem Takt einer funkelniegelnagelneuen Nähmaschine aus dem Hause Pfaff (die richtig Guten, habe ich auch und kann ich nur empfehlen) mithalten kann!

    Und ja, ich gebe zu: Ich bin überzeugter Single! Was sich in jahrelanger leidiger Erfahrung als mein zwischenmenschlich-soziales Idealkonzept herausgemendelt hat, wurde gestern derart mit Beweisen untermauert, dass ich mir kaum noch vorstellen kann, dass überhaupt noch zwei Menschen fest miteinander leben können.

    Dabei war ich eigentlich nur zum ersten Hochzeitstag (oder sagen wir besser: Eingetragenepartnerschaftstag) eines guten Freundes eingeladen, der diesen ach so hohen Feiertag im kleinen Kreis begießen wollte. Schon beim Anblick der Location, einer abgewrackten, aber sicherlich sehr avantgardistischen Schrammelbude in der Südstadt, schwante mir Böses. Und als ich ewige Zuspätkommerin die versammelte Gästeschar vergegenwärtigte, bestätigte sich mein Verdacht in Nullkommanix. Innig versammelt saßen dort eine offensichtlich unter Elefantitis leidende beste Freundin, der ältere Bruder des Bräutigams samt drei Kindern (aber ohne Frau!), eine heterosexuelle Nachbarin, die aussah wie aus einem Taliban-Ausbildungslager entflohen (vermutlich Pädagogin) und vier weitere schwule Pärchen. In Anbetracht so vieler lilafarbener Oberteile und Seidenschals rechnete ich fest damit, dass eine Sondersitzung der Vereinten Nationen in Windeseile eine schnelle Fashion-Victim-Eingreiftruppe aufstellen und den Laden dem Erdboden gleich machen würde.

    In der Bibel heißt es „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei“. Wer auch immer diese Zeilen geschrieben haben mag, hat sicherlich recht, dabei aber nicht in Betracht gezogen, dass aus diesem Grund schlaue Menschen sowas wie Häkelgruppen und überfüllte U-Bahnen erfinden würden. Dass man, um glücklich zu sein, einen Partner braucht, widerlegte der Abend in seinem weiteren Verlauf jedenfalls sehr eindringlich.

    Während sich Pärchen Nummer eins, Jochen und Uwe, beispielsweise den ganzen Abend gegenseitig das Ohrläppchen beknabberten, sich geschätzte alle viereinhalb Sekunden ihre Liebe schworen und allen und jedem ungefragt mitteilten, wie treu sie sind, war ich mir sehr sicher, mit Jochen schon in diversen Saunen Schindluder getrieben zu haben. Bestätigt wurde meine These dadurch, dass seine Ohrläppchen bei unserer ersten Begegnung eine noch rotere Färbung annahmen, als sie durch Uwes Geschlabber sowieso schon erreicht hatten.

    Ganz anders hingegen Bernd und Toni, die eher an Margot und Erich Honecker erinnerten , da sie rein optisch den Eindruck machten, als seien sie komplett in graues Sackleinen gehüllt und ihre Beziehung ansonsten den Eindruck erweckte, als wären beide Informelle Mitarbeiter der Partnerschafts-Stasi. Sie belauerten sich derart argwöhnisch, dass ich mich des Gedankens nicht erwehren konnte, dass ihre gegenseitige Liebe gerade in einem geistigen Hohenschönhausen einsaß und bei einem flüchtigen Blick des Partners auf einen fremden Arsch die gegnerische Selbstschussanlage zahlreiche Opfer fordern würde. Der einzige Satz, den die beiden den ganzen Abend miteinander sprachen war übrigens ein säuselndes „Ich geh‘ mal eben Pipi machen!“.

    Wiederrum das komplette Gegenbeispiel bekam ich in Form von Flori und Jann präsentiert, zwei modebegeisterten, gut gebauten Mittzwanzigern, die streng näselnd ihre Promiskuität auf einem Silbertablett vor sich her trugen und diese Attitüde damit unterstrichen, dass sie in ihren feschen Leinenhosen ganz offensichtlich keine Unterwäsche trugen und gerne den Takt von Kylie Minogue und Donna Summer in der Hüfte wiegten. Unwillkürlich wurde ich an die freischwingende Gartenschaukel meiner Tante Liese, Gott hab‘ sie selig, erinnert und fand Gefallen an den beiden.

    Last but not least traf ich auf Pärchen vier namens Klaus und Klaus, die mir eindringlich versicherten, dass sie schon alle Witze mit Eiermännern und Pferden auf Fluren gehört hätten und ich diese nicht zu rezitieren brauche. Diese Aussage untermauerte in bezeichnender Weise ihren Sinn für Humor, ebenso wie ihre Ausführungen über ihre 25jährige Partnerschaft, den gemeinsamen Urlaub in Südtirol und ihr gemeinsames Hobby Gartenpflege Bände darüber sprachen, wie sehr sich zwei Menschen ineinander verfressen können. Dieser Meiwes aus Rotenburg war ein Witz dagegen!

    Mit zunehmenden Alkoholgenuss kam es auch, wie es kommen musste: Flori und Jann machten sich an Bernd ran, woraufhin Toni wütend nach Hause ging. Während Bernd von Uwe getröstet wurde, umgarnte Jochen seinerseits Flori und Jann, die wiederrum von Klaus und Klaus gemaßregelt wurden, wie grün sie hinter den Ohren doch noch seien und dass sie von wahrer Liebe keine Ahnung hätten. Nach der Standpauke versanken K+K und der Kindesvater in ein scheinbar unangenehmes Gespräch über dessen Ex-Frau und auch Uwe, der endlich mitbekam, wie sich Jochen an Floris Schritt schmiegte, verließ mit einem „Geht das jetzt schon wieder los?“ divengleich den Saal.

    Als die sehr betrunkene Pädagogik-Studentin einen Heulkrampf bekam und Sätze wie „Warum müssen alle hübschen Männer schwul sein?“ in den Raum lallte, klopft ich meinem Freund noch einmal auf die Schulter, gratulierte ihm zum Hochzeitstag, ging nach Hause, legte mich grinsend in mein Bett und stellte mir vor, was gerade in vier Ehebetten irgendwo in Köln vor sich gehen möge…

    Noch Fragen, Halli?

    Halli
    Ja, Galli: Die zwei Typen die du heute zum Abendessen eingeladen hast, sind nicht zufällig Kylie- und Donna-Fans, oder?

Willkommen beim Plüsch-Geflüster! Die besten Freundinnen Halli und Galli beobachten die schwul-lesbischen Vorgänge in Köln, Nordrhein-Westfalen, der ganzen Republik und darüber hinaus. Sie belauern und bewerten, loben und zerreißen, zetern und lachen und halten das Ganze natürlich in schriftlicher Form fest! Wir wünschen interessante Gedanken und gute Unterhaltung!
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